Bericht über meinen Aufenthalt im April 2006
Am 9. April erreichte ich zusammen mit Maria Kuhlmann vom rotenkeil.net meine Lieben in
Kambodscha. Im Büro sortierten wir zuerst die vielen Pakete von Maria, voll mit Krücken, Medizin,
Verbandsmaterial, Nahrungsergänzungsmitteln, Seifen, Shampoos, Zahnbürsten usw. usw.
Das kambodschanische Personal war hin und weg - und ich auch.
Dann besuchten wir die Familien in unserem alten Zentrum im Angkorpark. Alle waren wohlauf,
auch dem kleinen aidskranken Sith, der noch dazu an einer Neurodermitis leidet, ging es deutlich
besser als beim letzten Besuch. Anschließend fuhren wir zum Kinderdorf nach Peak Sneng.
Auch dort staunten sie nicht schlecht über die vielen wertvollen Hilfsmittel. Die Kinder waren von
den Spielsachen und den witzigen Kinderpflastern begeistert und Sokthear, unser Leprajunge,
der seit Anfang April im Kinderdorf lebt, freute sich sehr über seine neuen Krücken.
Das wunderschöne Nachbargrundstück ist gekauft und der erste Teil ist schon etwas ausgelichtet.
Der Rest ist allerdings noch "Urwald". Wir sind alle sehr glücklich über das Grundstück und
sagen danke, danke, danke und seid herzlich willkommen an alle "Landspender".
Das Hauptereignis des Osteraufenthaltes war das kambodschanische Neujahrsfest mit Einweihung
einer Buddhastatue im kleinen Tempel im Kinderdorf. Wie in meinem letzten Bericht zu
lesen war, bestellte ich bei einem Steinmetz eine Buddhastatue. Ende März war diese fertig und
konnte dank einer lieben Spenderin gekauft werden. Die Mönche des örtlichen Klosters bestimmten
den Platz, auf dem ein kleiner, offener Tempel (mit einem noch provisorischem Dach) errichtet
wurde. Nicht nur die Bewohner des Kinderdorfes und des angrenzenden Frauendorfes freuten
sich über den Tempel, auch die Bewohner von Peak Sneng freuten sich sehr über einen Platz
zum Beten in ihrer Nähe. Das nächste Kloster ist einige Kilometer entfernt.
Am 13. April begann die Einweihungszeremonie für den Buddha und den Tempel. Viele Gäste
(auch aus Deutschland) sowie fast alle vom Verein unterstützten outdoor-Familien kamen und
viele Vorbereitungen waren nötig. Alte Frauen und Männer aus Paek Sneng fertigten kleine
Kunstwerke aus Bambus, Blättern und Blüten zur Ausschmückung des Tempels. Einige Frauen
bereiteten die Opfergaben. Viele Frauen saßen um die Feuerstellen, putzten und schnitten
Unmengen von Gemüse klein, bereiteten die leckersten Suppen, Soßen und Curries, wickelten
unermüdlich gefüllte Reisbällchen in Bananenblätter, zauberten köstliche Süßspeisen.
Für eine Hauseinweihung ist nur ein Mönch vonnöten, für eine Buddha-Einweihung müssen
mindestens fünf Mönche teilnehmen. Zu unserer Zeremonie kamen gleich neun Mönche. Am Nachmittag
begann die Zeremonie und dauerte bis in den frühen Nachmittag des nächsten Tages. Die
neuen Häuser wurden ebenfalls eingeweiht und sämtliche Geister vertrieben. Der Geisterglaube
ist groß und gestandene Männer rennen wie die Hasen, wenn sie wo einen Geist vermuten.
Nach der Tempel-Zeremonie begann das Neujahrsfest mit einer Tanzvorführung einiger unserer
Mädchen. Es war schwer zu glauben, dass sie erst 2 Monate Tanzunterricht hatten. Danach
tanzten wir alle und vergnügten uns beim Khmer-Happy-New-Year.
Vom Hauptgebäude ist das Erdgeschoß fertiggestellt. Der Bau des Daches mit Büro und Terrasse
soll im Juni begonnen werden. Für die Einrichtung von Klassen- und Krankenzimmer müssen
wir erst noch etwas sparen. So sitzen die Kinder nun ganz herkömmlich auf Matten am Boden.
Im ganz normalen Alltagsleben gehen die Kinder täglich in die Schule, einmal im Monat kommt
ein Team aus dem japanischen Kinderkrankenhaus und checkt alle Kinder. Krankheiten werden
natürlich im Kinderkrankenhaus behandelt. Die Behandlung ist umsonst, auch die Zahnbehandlungen
sind inbegriffen. Durch die lange Unter- und Mangelernährung benötigen fast alle Kinder
zusätzlich Vitamine und Mineralien. Die Zähne sind durch die Mangelernährung meist auch sehr
schlecht und so ist es ganz normal, dass Dreijährige schon mit Zahnlücken rumlaufen.
Im Kloster Wat Thmey, nicht weit von den Tempeln, finden Aidskranke von außerhalb vorübergehend
Unterkunft. Wir haben schon einigen Frauen dort helfen können. Auch diesmal trafen wir
eine schwerst aidskranke Frau mit ihren beiden Kindern (Siteoung, 6, m, Sampean, 3, w), die
ebenfalls aidskrank sind und bereits therapiert werden. Die Frau bat uns inständig ihre Kinder
aufzunehmen, da sie keine Verwandten hat, die sich um die Kinder kümmern können. Es war auf
den ersten Blick zu erkennen, dass die Frau nicht mehr lange zu leben hat. Eine zweite Frau bat
um Aufnahme für ihr fünfmonatiges Baby (Chamrong, m), da sie nicht in der Lage war, das Kind
zu versorgen und aufzuziehen. Sie hat in der Maternité des Kantha Bopha Krankenhauses entbunden
hat, daher ist der kleine Chamrong höchstwahrscheinlich negativ.
Wir fanden eine Erzieherin, die sich die Kinder und das Kinderdorf ansah und dann – nachdem
ich ihr versicherte, dass sich keine Geister mehr auf unserem Gelände befinden – in das Haus
Nummer 4 mit den drei neuen Kindern einzog. Sokthear, Phary und Chan1 zogen mit in Haus 4
ein. Nun leben 23 Kinder in vier Häusern. Alle haben sich gut eingelebt, nur Siteoung muss noch
lernen, dass die Spielsachen allen gehören und er sicher nicht zu kurz kommt.
Sokthear kam Anfang April aus dem Leprakrankenhaus nach Siem Reap zurück. Da er bei seiner
Großmutter jedes Mal nach kurzer Zeit starke allergische Reaktionen zeigte habe ich beschlossen,
ihn ins Kinderdorf zu nehmen. Und tatsächlich bekam er dort keine Allergie sondern
viele nette neue Freunde. Er sah von Tag zu Tag besser aus und ging nach den Neujahrsferien
mit den anderen Kindern in die Schule. Es gefällt ihm ausgezeichnet im Kinderdorf und da sind
wir alle froh – einschließlich Oma Soun.
Und dann hatten wir noch einen ganz besonderen Besuch: Thabita, eine kambodschanische
Tempeltänzerin, die nun in Wiesbaden lebt. Ihre Geschichte ist auf ihrer Homepage
beschrieben. Sie freundete sich sofort mit allen Kindern an und manchmal
konnte man Thabita unter all den Kindern kaum entdecken. Die Kinder hatten sich im März alle
neue Schultaschen gewünscht und nun brachte eine gute Fee, die als Kind in Kambodscha lebte,
den Kindern schöne, stabile neue Schultaschen, Hefte, Stifte und vieles vieles mehr.
Es ist eine sehr gute Atmosphäre im Kinderdorf. Wir haben wunderbare Kinder, die gerne dort
leben, sich mögen, glücklich sind, dass sie sich jeden Tag satt essen können, in die Schule
gehen dürfen und es ihnen später besser geht als ihren Eltern.
Dießen, im Mai 2006
Monika Proksch