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Bericht über den Aufenthalt in Kambodscha vom 25.12.05 bis 09.01.06
Da sich der Taxifahrer bereits in Bangkok verirrte kam ich am Weihnachtsabend nicht mehr über
die thailändisch-kambodschanische Grenze. So spendete ich eine Nacht in Aranyaprathet und
Kim, Lay, Malin und Sambor, die mich in Poi Pet abholen wollten mussten in Poi Pet übernachten.
Doch am nächsten Morgen fanden wir uns alle und begannen eine fröhliche Fahrt (mit einigen
Pannen) nach Siem Reap. Doch so manchmal haben auch Pannen ihr Gutes. Die erste
Reifenpanne war zwar außerhalb einer Ortschaft aber in der Nähe eines Hauses. Im Hof dieses
Hauses fanden wir in einem offenen Stall ein gutes Dutzend wohl ernährt und gesund aussehende
Ferkel, wovon wir sogleich 10 Stück für unsere Landwirtschaft bestellten. Es fand sich
auch noch ein Motorradfahrer, der Sambor mitsamt dem kaputten Reifen zum nächsten Mechaniker
fuhr. Auch die zweite Reifenpanne verlief glimpflich. Ein Pick-Up-Fahrer, der des Wegs
kam, freute sich über ein kleines Geschäft und so reiste Sambor diesmal mit 2 Reifen zum Mechaniker.
Für den Rückweg fand er einen Motorradfahrer. In Kambodscha kann man auf einem
Motorrad bequem zwei Männer und zwei große Pick-Up-Reifen transportieren. Leider hatte das
hübsche Aussehen von Sambor unter all dem Straßenstaub und Reifendreck etwas gelitten. Wir
hielten noch bei verschiedenen Steinmetzen. Einer hatte gerade einen wunderschönen Naga-Buddha
fertig, der allerdings bereits verkauft war. Wir entschlossen uns einen ebensolchen
Buddha zum Wohle und Schutze des Kinderdorfes und für die geistige Erziehung zu bestellen.
Am nächsten Tag fuhr ich morgens in unser altes Zentrum im Angkorpark. Inzwischen sind zwei
Frauen ausgezogen, aber zwei neue Frauen wieder eingezogen. Beide Frauen sind aidskrank,
die eine schwer. Sie hat ein kleines Kind, das leider auch schon schwer erkrankt ist. Die andere
Frau hat drei gesunde Kinder. Beide Familien fühlen sich im Zentrum ganz zu Hause und den
Kindern gefällt es ganz prima.
Sokthear, unser Leprakind, war vor kurzem aus der Lepraklinik in Phnom Penh wieder heimgekehrt.
Leider geht es ihm gar nicht gut und er musste bald darauf wieder in die Klinik. Er hat mittlerweile
die typischen "Leprahände", d. h., die Greiffähigkeit ist vermindert, da die Finger verkrümmt sind.
Da er eine neue Wunde am Fuß hat, darf er nur mit Krücken gehen. Der ganze
Körper ist von Geschwüren übersät. Und natürlich hat ihn sein langer Krankheitszustand sehr
deprimiert. Durch die Krankheit und die starken Medikamente ist er im letzten Jahr auch keinen
Zentimeter gewachsen und für sein Alter viel zu klein. Er traut sich kaum aus dem Haus und hat
große Komplexe wegen seines Aussehens. Wir tun, was wir nur können, um ihm sein Leben zu
erleichtern und ihn zu erfreuen. Es wird aber noch viele Monate, wenn nicht Jahre, dauern, bis
es ihm wirklich besser geht.
Allen anderen Bewohnern des Zentrums geht es gut und auch den Nachbarkindern, die sich bei
uns immer pudelwohl fühlen. Zwei Tage später haben wir alle Bewohner und Nachbarn mit neuer
Kleidung versorgt, die Kinder mit Spielsachen und von der Wäschespende eines großen Hotels
bekamen auch alle ihren Teil. Da im Stadion wieder ein Rummel gastierte, sind wir mit allen
"outdoor-Familien" dorthin gegangen und haben uns alle prächtig amüsiert.
Das Kinderdorf
Am Nachmittag fuhr ich ins Kinderdorf. Welche Freude: 17 fröhliche, glückliche Kinder rannten
mir entgegen. Alle Kinder genießen es sehr, unter vielen Kindern zu leben. So haben sie immer
einen Spielgefährten. Die Kinder sahen wesentlich besser aus als im September. Die kleine
Maisa hat gewaltige Fortschritte gemacht, seit sie im Kinderdorf ist. Auch ihrer großen Schwester
Channa geht es viel besser. Sie kann nun endlich ganz Kind sein – vorher musste sie den
größten Teil des Haushalts erledigen und war immer für Maisa verantwortlich, wenn ihre Mutter
arbeiten war. Manchmal hat das Weggehen der Mutter auch positive Folgen.
Es war spürbar, dass sich alle Kinder im Kinderdorf sicher, geborgen und zu Hause fühlen. Ein
paar Tage später kam noch ein Geschwisterpaar hinzu, dessen Verwandte nicht mehr in der
Lage waren, die beiden zu verköstigen. Der Vater von Sokunthea und Yadeoun hat sich vor
4 Jahren mit einer neuen Lebensgefährtin abgesetzt und die Mutter ist nach Thailand gegangen.
Seitdem hat keiner mehr was von den beiden gehört oder gesehen. Die Kinder können sich gar
nicht mehr an ihre Eltern erinnern. Sokunthea und Yadeoun waren erst einen Nachmittag zu
Besuch da und wollten am liebsten gleich bleiben. Ein paar Tage später war die Sorgerechtsübertragung
und die Kinder sind zu uns gezogen. Sie sind auch sehr froh, dass sie endlich wieder in
die Schule gehen können.
Jeff, der amerikanische Sponsor, hatte zwei neue Kinderdorfhäuser bauen lassen, den Spielplatz
erweitert, einen Pick-Up und ein Motorrad gestiftet, den Schweinestall und die Ferkel und
dies und das gespendet und den Kindern Englisch und viele Spiele gelehrt. Dafür danken wir
ihm alle sehr. Im Moment erlaubt uns unser Bankkonto keine großen Sprünge, so dass wir mit
dem Einzug weiterer Kinder und der Einstellung von zwei Erzieherinnen noch etwas warten
müssen.
Das vom "roterkeil.net" gespendete Hauptgebäude ist im Bau und soll Ende März fertig werden.
Da alle Bauarbeiter nicht aus dem Dorf kommen und somit auf dem Grundstück leben müssen,
dienen die Kinderdorfhäuser 4 und 5 derzeit als Arbeiterunterkünfte. Die Arbeiter sind sehr froh
darüber, da es nachts doch recht kühl werden kann.
Dagegen müssen die beiden Gärtner im Schweinestall schlafen, (in Abteilung 3, während die
Ferkel in Abteilung 1 schnarchen), damit uns die Ferkel auch erhalten bleiben. Der Zimmerer
hatte bis jetzt keine Zeit ihnen ein Haus zu zimmern. Aber sie nehmen es einigermaßen gelassen
und wickeln sich in viele Decken in ihre Hängematte. Allerdings haben sie ständig Angst vor
Geistern und so habe ich sie mit einer sehr guten (Scheinwerfer-)Taschenlampe und einer sehr
hellen Solarlampe + einem Talisman gegen böse Geister ausgestattet. Da der Boden noch für
den Gemüseanbau aufbereitet werden muss, gibt es noch nicht so viel Gemüse aus Eigenanbau.
Aber wir haben für Hunderte von Dollars Obstbäume –büsche und -stauden, wohlriechende
Tag- und Nacht-Blütenbüsche, wunderschöne Blumen usw. gekauft und hoffen, dass wir in 2
Jahren genügend eigenes Obst rund ums Jahr haben. Im Januar hatten wir schon ausreichend
Jackfruits – ein sehr gutes und vitaminreiches Obst. Ab April können wir Mangos und vielleicht
schon Bananen ernten. Mal sehen, was wir im August alles haben.
Ja, das Kinderdorf ist zu einer sehr schönen Heimstätte geworden, in der sich alle sehr wohlfüh-
len. Natürlich gibt es auch dort die ganz alltäglichen Probleme, die aber wie in jeder Familie
gemeistert werden. Einmal monatlich kommt ein Arzt mit Schwester vom japanischen Kinderkrankenhaus
und schaut nach den Kindern. Zum Zahnarzt fahren sie jeden Monat in die nächste
Erste-Hilfe-Station. Durch die jahrelange Mangel- und Unterernährung haben viele Kinder sehr
schlechte Zähne. Aber das wird sich bessern.
Es gäbe noch viel zu erzählen, aber dann wird ein Buch daraus. Wenn Sie mehr wissen wollen,
dann rufen Sie mich einfach an (08807 4592).
Dießen, im Januar 2006
Monika
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